Eine neue Flagge für den Marinezug Klinkum anlässlich seines 60. Bestehens war aus der Tatsache entstanden, dass die durch den Zug verwendete Bundesdienstflagge dem Gesetz nach nur von Bundesbehörden verwendet werden darf und dessen missbräuchliche Benutzung geahndet werden kann.

Eine Idee war, die früher vom Zug genutzte Reichskriegsflagge des Kaiserreichs in der Version von 1914 wieder zu verwenden. Diese Flagge hat allerdings durch ihre missbräuchliche Nutzung als Symbol rechter und rechtsextremer Gruppen keine Akzeptanz mehr und von ihrer Verwendung durch demokratisch gesinnte Bürger ist grundsätzlich abzuraten. Also musste eine neue Flagge geschaffen werden, die sowohl den Bezug zur marinen Tradition wahrt als auch frei ist von der falschen Interpretation heutiger und vergangener Symbole.

Letzteres ist leichter gesagt als getan! Die Verwerfungen des Ersten Weltkrieges, das Festhalten an falschen Traditionen und schließlich die Katastrophe des Zweiten Weltkrieges haben viele der ursprünglichen traditionellen Symbole für immer einer Nutzung versperrt. Über andere wurde lange gestritten bis sie in der Öffentlichkeit wieder zu Akzeptanz gelangten. Mehrere Jahrzehnte war es sogar verpönt, die schwarz-rot-goldene Bundesflagge zu zeigen, wenn man nicht in einer zumindest „national-konservativen“, wenn nicht gar „rechten Ecke" stehen wollte. Dies hat sich in den letzten Jahren, auch durch die Fußball-WM 2006 entspannt. Vielleicht gelingt das auch mit anderen Symbolen, die auf eine lange, wenn auch wechselvolle Geschichte zurück blicken, ohne die wir aber keine Vergangenheit erklären und keine Zukunft gestalten können.

Der Marinezug Klinkum hat aus den Entwürfen eine Flagge gewählt, die beides auf gute Weise miteinander verbindet – die marine Tradition, die lange vor ihrer Umdeutung in einer jungen aufstrebenden Marine begann und die Gegenwart, die sich trotz aller und nicht zu vergessender Brüche zu diesen Anfängen bekennt.

Beschreibung des Flaggenentwurfes

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Die Flagge hat einen weißen Hintergrund, auf ihr liegt ein schwarzes Balkenkreuz mit weißem Rand, das leicht zum Mast verschoben ist. Im oberen Liek ist die Bundesflagge im Seitenverhältnis 3:5 und den richtigen Farben abgebildet. Im unteren Flugteil ist das Admiralskreuz, seitentreu und mittig im Feld dargestellt. Oberes Flugteil und unteres Liek sind ohne Symbole. Die Flagge hat ein Seitenverhältnis Höhe zu Breite von 3:5.

Elemente der Flagge

Um die Flagge einordnen zu können und die Diskussion um die Bedeutung der Symbole richtig zu führen, ist es notwendig, die Elemente zu kennen. Nachfolgend eine kurze Erklärung dazu.

Der Hintergrund

Die Flagge hat einen weißen Hintergrund. Dies geht auch auf den ersten Befehlshaber der Marine des Norddeutschen Bundes, Prinz Adalbert von Preußen zurück, der das weiße Grundtuch der preußischen Fahne übernehmen wollte. Weiße Hintergründe werden auch heute noch weltweit für Marineflaggen oder Seekriegsflaggen verwendet, so z.B. durch die Royal Navy in Großbritannien, die sogar ein exklusives Flaggenrecht auf diesen weißen Hintergrund besitzt und das ohne deren Zustimmung nicht verwendet werden darf. Auch andere Länder wählen heute noch den weißen Hintergrund ausschließlich für ihre Seestreitkräfte.

Das Balkenkreuz

Das schwarze Balkenkreuz ist eine Verkörperung des Eisernen Kreuzes. Dies konnte und wollte Prinz Adalbert nicht in der geschwungenen Form des Tatzenkreuzes des Deutschen Ordens darstellen und so entschied letztlich der preußische König, dass eine gerade Darstellungsform für eine Flagge geeigneter sei. Dadurch ist aber, vielleicht unbeabsichtigt, eine Form des liegenden lateinischen Kreuzes, ein Philippuskreuz, entstanden, welches wir von allen skandinavischen Fahnen kennen und das es so ebenfalls in Entwürfen für eine neue deutsche Nachkriegsflagge gab. In der späteren Version ab 1903 wurde das Balkenkreuz deutlich verbreitert und nahm somit das bedrohliche Aussehen in der Reichskriegsflagge an. Auf diese Form wird im hier gezeigten Entwurf bewusst verzichtet und die ursprüngliche Form verwendet.

Die Bundesflagge

Schon zu königlich-preußischen Zeiten befand sich im oberen Liek die verwendete Handelsfahne (damals schwarz-weiß-rot), die die Einheit zwischen der zivilen und der militärischen Seefahrt demonstrieren sollte. In der Weimarer Republik war bereits der Versuch unternommen worden, die schwarz-rot-goldene Fahne anstelle der kaiserlichen Farben in das obere Liek einzuführen. Das ist nie umgesetzt worden, es kam nur zu einem Kompromiss, nach der der schwarz-rot-goldenen Fahne eine untergeordnete Bedeutung in der Gösch zugestanden wurde. Ab 1933 verschwand die Bundesflagge wieder und 1935 war die gesamte alte Seekriegsflagge von den Nazis in ihrem Sinne „umgestaltet“ worden.

Obwohl nach dem Krieg nicht auf die Vorschläge der Weimarer Zeit zurückgegriffen wurde, ist die Idee der Aufnahme der Bundesfarben in die Flagge gut, denn sie repräsentieren an der prominentesten Stelle der Flagge die Verbundenheit der Marine zum Land. Das wurde in dem Flaggenentwurf wieder aufgegriffen.

Das Admiralskreuz

Kommandowimpel sind international vorgeschriebene Zeichen, dass ein Offizier an Bord eines Kriegsschiffes ist und sind neben der Dienstflagge zu zeigen. Das Admiralskreuz ist Bestandteil von Kommandowimpeln und Stander der Deutschen Marine. Seit der Zeit der Kaiserlichen Marine ist es nahezu unverändert und hat ebenfalls die Form eines geschwungenen Tatzenkreuzes („Eisernes Kreuz“). Das Eiserne Kreuz selbst - als Orden in den Napoleonischen Kriegen gestiftet - wird als Hoheitszeichen der Bundeswehr verwendet und steht damit für die lange militärische Tradition. Auch zivile Organisationen verwenden es, z.B. die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger in einer roten Form. Das Eiserne Kreuz, damals wie heute gezeigt und seine Bedeutung als Zeichen der Offiziere macht es zum zeitlich verbindenden Element der Flagge.

Risiken der Verwendung

Das größte Risiko der Verwendung der neuen Flagge des Marinezugs geht von der Verwechselungsgefahr mit der ehemaligen Kaiserlichen Reichskriegsflagge aus. Dies ist bei flüchtigem Hinsehen auch nicht zu verleugnen, da das prominente schwarze Balkenkreuz auf weißem Grund sicher zuerst wahrgenommen werden wird. Die anderen Elemente, wie die Bundesflagge und das schmale Balkenkreuz, sowie das Fehlen wichtiger Bestandteile der Reichskriegsflagge wie den kaiserlichen Adler im Kreis oder die schwarz-weiß-roten Farben, heben dies wieder auf. Eine Verwendung dieser Symbolik, auch durch die ähnlichen Entwürfe der Weimarer Republik, stehen durchaus in einer historischen Kontinuität der deutschen Marine, die sich zu den demokratischen Werten des Grundgesetzes bekennt, aber ihre Wurzeln nicht vergisst. Das kann und darf mit dieser Flagge gezeigt werden.
Knut Müller

Hauptbeitrag: Marinezug